„Das wird das kirchliche Leben insgesamt stärken“

18.12.2025 | Zum Start der neuen Pfarreien ruft Erzbischof Burger zur Zuversicht auf

Zum 1. Januar 2026 werden in der Erzdiözese Freiburg 36 neue Pfarreien – zugleich staatsrechtliche Kirchengemeinden – gebildet. Sie entstehen aus den bisherigen 1.048 Pfarreien in den 224 Seelsorgeeinheiten der 26 Dekanate, die in diesem Zuge aufgelöst werden. Die Neuordnung setzt um, was im Rahmen des Projekts Kirchenentwicklung 2030 seit 2021 von zahlreichen haupt- und ehrenamtlich Engagierten auf Diözesan- wie Pfarreiebene vorbereitet und geplant wurde. Mit Blick auf den unmittelbar bevorstehenden Start der Pfarreien ruft Erzbischof Stephan Burger zur Zuversicht und Offenheit auf: „Ich sehe in dieser Entwicklung eine große Chance. Veränderung ist immer eine Herausforderung, aber sie kann uns im Glauben wachsen lassen – im Vertrauen auf Gott, in der Bereitschaft zur Erneuerung und in der Hoffnung, dass der Geist Gottes uns auf diesem Weg begleitet.“

Leitung im Team

Bereits im Oktober 2025 haben die neuen Teams mit Leitungsfunktion ihre Arbeit aufgenommen. Ihnen gehören die Pfarrer, deren Stellvertreter, die Leitenden Referentinnen und Referenten sowie die Pfarreiökonominnen und Pfarreiökonomen an. Für alle Aufgaben gab es Auswahlverfahren, an denen haupt- und ehrenamtlich Engagierte vor Ort beteiligt waren. Bei letzteren beiden Stellen handelt es sich um neu geschaffene Funktionen. Erstere sind unter anderem Vorgesetzte von Mitarbeitenden im pastoralen Dienst und verantworten die strategische Weiterentwicklung der Pfarrei. Die Pfarreiökonominnen und -ökonomen leiten mit ihren Stellvertretungen die Verwaltung der Kirchengemeinden. Die Leitung erfolgt künftig in geteilter Verantwortung – unter Wahrung der kirchenrechtlichen Stellung des Pfarrers als Leiter der Pfarrei. 
 
In vielen Pfarreien haben in den letzten zwei Jahren Arbeitsgruppen die neue Pfarrei geplant und bisherige Pfarrgemeinderäte und Stiftungsräte in Gründungsvereinbarungen den Rahmen ihrer neuen Pfarrei beschlossen. Auf dieser Basis starten nun die neuen Pfarreien mit ihren Teams und Themen. „Das Ordinariat gibt den Rahmen, aber das Leben in den Pfarreien entsteht aus der Mitte der Gemeinschaft“, resümiert Erzbischof Stephan. Es gehe darum, auf allen Ebenen Voraussetzungen zu schaffen, um den kirchlichen Auftrag auch in Zukunft wirksam erfüllen zu können, betont auch Generalvikar Christoph Neubrand. Das Ziel sei nicht nur eine Verwaltungsreform. Das machte der Generalvikar jüngst bei einer Dekanatsverabschiedung deutlich: „Strukturen sind nur Hilfsmittel. Menschen sind die, die Halt geben.“ 
 
Das vielfältige Engagement der pastoralen Mitarbeitenden wird auch in den neuen Pfarreien fortgeführt: Priester, Diakone, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten werden im Dienst des Evangeliums für die Menschen da sein. So werden beispielsweise abhängig von der jeweiligen Katholiken- und Einwohnerzahl sowie räumlichen Entfernungen in einer Pfarrei vier bis 16 Priester neben dem Pfarrer im Dienst sein. Ziel ist es, so Erzbischof Stephan, die Seelsorge wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen: „Ich bin dankbar, dass die Neuordnung unserer Pfarreien auch dazu beiträgt, unsere Priester von administrativen Aufgaben zu entlasten. So können sie sich wieder stärker auf das Wesentliche konzentrieren: die Feier der Sakramente, die Verkündigung des Evangeliums und die Begleitung der Menschen in ihrem Glauben. Das wird das kirchliche Leben insgesamt stärken.“

Bewährte pastorale Angebote

Auch künftig wird die Kirche mit festen Gottesdienstzeiten und verlässlichen Ansprechpersonen vor Ort präsent sein. Bewährtes bleibt wo möglich erhalten, unterschiedliche Schwerpunkte werden gesetzt und innovative pastorale Angebote erprobt. Die Gemeindeteams bleiben eine zentrale Säule des kirchlichen Lebens und werden durch neue Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen ergänzt: Kompetenzteams mit speziellen thematischen Schwerpunkten, zum Beispiel die Katechese. Kirchortteams stehen für lokale pastorale „Hotspots“ wie Quartiersläden und Kontaktflächen bieten neue Erprobungsräume für vielfältige und innovative Formen kirchlichen Lebens. 

Neue Gremien

Die Pfarreiratswahl im Oktober 2025 war das erste große gemeinsame Ereignis der neu entstehenden Kirchengemeinden. Ab dem 1. Januar 2026 übernehmen 748 Frauen und Männer ihr Amt im Pfarreirat, dem zentralen Organ der Pfarreien. Sie legen unter anderem die Ziele und Schwerpunkte der pastoralen Arbeit fest und beschließen – nach Beratung durch den Pfarreivermögensverwaltungsrat – den Haushaltsplan. Daneben wird im Vermögensverwaltungsrat die Arbeit der Verwaltung beaufsichtigt und vermögensrelevante Entscheidungen werden überprüft. Die Erzdiözese unterstützt die Ehrenamtlichen umfassend bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben. 

Effiziente Verwaltung und verlässliche Trägerstrukturen      

Ein grundlegender Bestandteil der Kirchenentwicklung 2030 ist der Aufbau einer effizienten und starken Verwaltung in den Kirchengemeinden. In diesem Zuge werden die bisherigen Verrechnungsstellen aufgelöst, wobei ein Großteil ihrer (stellvertretenden) Leitungen für die Besetzung als Pfarreiökonominnen und -ökonomen gewonnen werden konnte. Zur Unterstützung der Kirchengemeinden wird zum 1. Januar 2026 ein „Diözesaner Verwaltungsdienst“ eingerichtet, der für sie die Finanzbuchhaltung und Personalabrechnung übernehmen wird. Der Verwaltungsdienst wird an sechs Standorten vertreten sein, mit einer Zentrale in Freiburg und fünf Außenstellen in der Erzdiözese. Das Personal der früheren Verrechnungsstellen bleibt weiterhin in einem diözesanen Beschäftigungsverhältnis mit einem Arbeitsplatz an einem der sechs Standorte des Verwaltungsdienstes oder an einem lokalen Verwaltungsstandort der 36 Kirchengemeinden. Auch Kindertageseinrichtungen und Familienzentren als verlässliche pastorale Bildungs- und Betreuungsorte bleiben weiterhin in Trägerschaft der neuen Pfarreien und werden in deren neue Strukturen überführt. 

Immobilien 

Über die Nutzung der lokalen Bestände kirchlicher Immobilien entscheiden die Verantwortlichen vor Ort und orientieren sich dabei am pastoralen Konzept ihrer Pfarrei. Ein Rückgang kirchlicher Immobilien ist angesichts sinkender Mittel und geringerer Nutzung erwartbar, aber gleichzeitig gilt es, umsichtig und mit Bedacht Entscheidungen über Immobilienbestände zu treffen. Ziel ist es, die Gebäude zu erhalten, die als Orte der Gemeinschaft, der Begegnung und der Glaubensverkündigung unverzichtbar für die Zukunft kirchlichen Lebens sind. Bei der Erstellung einer entsprechenden Immobilienkonzeption werden die Kirchengemeinden von verschiedenen kirchlichen Fachstellen sowie von Expertinnen und Experten unterstützt. 

Ausblick und Hintergrund

Generalvikar Christoph Neubrand unterstreicht, dass der Veränderungsprozess mit den 36 Pfarreien nicht abgeschlossen sein wird: „Der 1. Januar 2026 markiert keinen Abschluss, sondern den Beginn einer neuen Phase. „Kirchenentwicklung“ ist ein andauerndes Geschehen, denn es gilt, stets neu auf die Situationen zu reagieren und entsprechend zu handeln.“ 
 
Die Kirchenentwicklung 2030 ist der tiefgreifendste Veränderungsprozess in der 200-jährigen Geschichte der Erzdiözese Freiburg. Die strukturelle und kulturelle Neuordnung wurde 2019 von Erzbischof Stephan Burger angestoßen. Sie ist eine notwendige Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel und veränderte Rahmenbedingungen wie sinkende Mitgliederzahlen, weniger Priester und geringere finanzielle Mittel.
 
(bk)